Wie und wie schnell breiten sich Viren im menschlichen Körper aus?
Ein aktuelleres Thema hätte sich Mathematiklehrer Markus Pleger vom Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Kevelaer für die
Exkursion seines Leistungskurses der Jahrgangsstufe 13 derzeit wohl
nicht aussuchen können. An der Universität Paderborn haben die
Gymnasiasten jetzt mit fachwissenschaftlicher Unterstützung von Frau
Prof. Dr. Angela Kunoth und ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern PD
Dr. Sören Krausshar und Katharina Wiechers im Rahmen eines
Workshops Formeln erstellt, die die Dynamik eines Virus beschreiben.
Die resultierenden Gleichungen wurden formal und auf dem Computer
gelöst, um so Prognosen zu erstellen, wie sich der Virus im
menschlichen Körper ausbreitet.

Viren sind die Verursacher vieler
Erkrankungen, die für Menschen bedrohlich sind, wie zum Beispiel
Kinderlähmung, Windpocken, Masern, Grippe oder AIDS. Gerade die
Schweinegrippe oder auch die Mexikogrippe sorgen momentan überall für
Schlagzeilen.
Insbesondere für den HI-Virus, der die Krankheit AIDS hervorruft,
existiert keine Impfung und auch eine Heilung ist bis heute nicht
möglich. Da sich aber immer mehr Menschen mit diesem tödlichen Virus
infizieren, ist es wichtig zu verstehen, wie sich der Virus im
menschlichen Körper ausbreitet. Denn dann ist es möglich, noch
effizientere Therapien zu entwickeln.
Hier kommt nun die Mathematik ins Spiel. Der erste Schritt ist, auf der
Grundlage von aktuellem Datenmaterial ein vereinfachtes Modell der
Wirkung eines Virus zu erstellen und dieses in die Sprache der
Mathematik zu übersetzen.
Dazu werden sogenannte
Differentialgleichungen hergeleitet, mit denen man Wachstumsprozesse
beschreiben kann. In diesem Workshop lernten die angehenden
Abiturienten neben der Modellierung der Gleichungen insbesondere
Methoden zu ihrer Lösung kennen. Grundsätzlich ist es oft nicht mehr
möglich, die Lösung mit "Zettel und Stift" zu berechnen. Deswegen wurde
auf rechnergestützte Simulationen zurückgegriffen. Das bedeutet, man
schreibt Computer-Programme und übergibt dem Computer Daten, der dann
approximative (d.h. angenäherte) Lösungen berechnet. Im Anschluss daran
werden die errechneten Daten visualisiert und analysiert. Es sollte
überprüft werden, ob die Lösungen realistische Näherungen an das
tatsächliche Problem darstellen. Ist dies nicht der Fall, müssen die
Annahmen, die am Anfang zur Erstellung des Modells getroffen wurden,
modifiziert werden. Dann wird der oben dargestellte Prozess erneut
durchlaufen, bis ein Modell gefunden ist, das den gewünschten
Vorstellungen entspricht.

Zwei Tage lang erlebten die Schülerinnen und Schüler an der Universität Mathematik live, erstellten in Gruppenarbeit ein Virusmodell, das auf biologischen Grundsätzen basiert, und erlebten nebenbei noch eine Einführung in das entsprechende Computerprogramm Matlab.
Wir danken der Telekom-Stiftung für die finanzielle Unterstützung des Workshops.
(Dieser Text ist eine Zusammenfassung des Berichtes auf http://www.kvgg.de/1_home/kvggnews/20091123/virusdynamik.html)