Montag, 05. Juli 2010

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Wolfram Meyerhöfer

Titel des Vortrags: Der gymnasiale Mathematikunterricht zwischen Bildung und Standards

Am Montag, dem 05. Juli 2010 hält 

Prof. Dr. Wolfram Meyerhöfer (Universität Paderborn)

um 17:45 Uhr im Hörsaal D2 einen Vortrag mit dem Thema

"Der gymnasiale Mathematikunterricht zwischen Bildung und Standards"

Zu dieser Veranstaltung sind alle Interessenten herzlich eingeladen.

Abstract:

Das Gymnasium sieht sich aufgrund seiner immer erfolgreicheren Schüleranwerbung mit der Aufgabe konfrontiert, seine Absolventen nicht mehr nur auf ein Studium, sondern auch auf Wege in verschiedene Berufsausbildungen vorzubereiten. Im Wissenschaftlichen Beirat des Philologenverbandes diskutieren Erziehungswissenschaftler und Fachdidaktiker, auf welche Weise das Gymnasium sich diesen neuen Ansprüchen stellen kann. In meinem Vortrag skizziere ich drei perspektivische Herausforderungen bezüglich des Faches Mathematik:

1. Den deutlichsten äußerlichen Einfluss auf den Mathematikunterricht der nächsten Jahre werden die Bildungsstandards mit der ihnen innewohnenden Orientierung auf standardisierte Tests entfalten. Diese Tests entkleiden den Bildungsgegenstand vom Bildsamen und fokussieren auf das Abhaken von Aufgaben. Es ist also zu diskutieren, wie Bildung trotz der „Bildungs“standards entfaltet werden kann. Das Gymnasium steht dabei vor der Aufgabe, Mathematikaufgaben nicht nur abzuarbeiten, sondern mit ihnen reale Probleme und mathematisches Denken zu erschließen.

2. Im Mathematikunterricht wird mit Abstraktem gearbeitet, z.B. Zahlen, Variablen, Terme. Oft werden diese Abstrakta lediglich technisch manipuliert, z.B. in endlosen Termumformungen. Das Gymnasium steht vor der Aufgabe, seine Schüler nicht nur die korrekte Durchführung solcher Manipulationen zu lehren, sondern sie den Hintergrund der Techniken verstehen zu lassen. Dazu werden im Vortrag Prozesse des Abstrahierens und des Deabstrahierens diskutiert.

3. Das Gymnasium steht vor der Aufgabe, Mathematik nicht nur als Abarbeiten von Techniken und Lernen von Begriffen zu betreiben, sondern Mathematik als Geistesgebäude erlebbar zu machen. Im Vortrag wird beispielhaft aufgezeigt, dass es darum geht, den Geist der Begriffe zu verstehen. Kurz gesagt: Nicht das Auswendiglernen eines Begriffs stiftet einen Lernprozess, sondern die Gründe für die Bildung eines Begriffs lassen uns etwas über den Gegenstand verstehen.

Im Anschluss an die Antrittsvorlesungen wird es einen kleinen Empfang im Raum D2.343 geben, zu dem Interessenten ebenfalls herzlich eingeladen sind.


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