Montag, 16. Mai 2011

Kolloquiumsvortrag von Prof. Dr. Lutz Führer

Mathematischer Unterricht und/oder Reformpädagogik?

Am Montag, dem 16. Mai 2011 hält 

Prof. Dr. Lutz Führer (Universität Frankfurt)

um 16:45 Uhr im Hörsaal D2 einen Vortrag mit dem Thema

"Mathematischer Unterricht und/oder Reformpädagogik?"

Zu dieser Veranstaltung sind alle Interessenten herzlich eingeladen.

Um 16:15 Uhr trifft man sich zur Begrüßung des Gastes bei Tee und Kaffee im Besprechungsraum D2.343.

Abstract: Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gab es einen außerordentlichen Boom pädagogisch ambitionierter Literatur, die eine radikale Erneuerung von Unterricht und  Schule forderte. Bei allen Unterschieden in den Schwerpunktsetzungen, Leitprinzipien, Methodenvorschlägen,  Begründungsvorlieben florierten gemeinsame, vom Zeitgeist getränkte Schlagworte, Konnotationen, Begründungs- und Verdrängungsmuster. Das alles ist von der erziehungswissenschaftlichen Historiographie unter dem Schlagwort "Reformpädagogik" inzwischen vielfältig durchgearbeitet und in letzter Zeit auch entzaubert worden. Trotzdem prägen die damaligen Ideen, Schlagworte und Mythen (J. Oelkers) heute wieder viele "Expertisen" zur Schulreform, wenn es über diagnostisch-exakte Unterrichtsforschung hinaus um "Politikberatung" geht, d. h. um preiswerte Therapievorschläge für den Schulalltag - oder auch um akademische Prüfungen.

Im Gegensatz zu den nachträglichen Defizitanalysen stützen sich heute konstruktive methodische und curriculare Empfehlungen eher auf Kognitionsmodelle, Euphemismen, moralische Appelle und Gesinnungslyrik denn auf empirische Untersuchungen, soziologische Risiken, Bildungstheorien oder wissenschaftstheoretische Exegesen. Woher kommt das, und warum wird der offensichtliche Widerspruch zwischen Outputorientierung und Reformpädagogik so standhaft ignoriert? Anhand  reformpädagogischer Beispiele für den mathematischen Normalunterricht, d. h. für Rechnen, Raumlehre oder Mathematikunterricht an öffentlichen Schulen vor rund  einhundert Jahren, soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern wenigstens damals stimmige Begründungen für den mathematiknahen Unterricht konkretisiert werden        konnten, oder auch - warum - nicht.


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